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| SolidWorks in der Technikerausbildung des Berufskolleg Mönchengladbach |
| SolidWorks in der Technikerausbildung des Berufskolleg Mönchengladbach Teil 2 |
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Mit SolidWorks auf der »Überholspur«
In der Schulzeitung des Berufskolleg für Technik und Medien Mönchengladbach berichtet OStR Bernhard Fleischer über den erfolgreichen Einsatz von SolidWorks als Werkzeug für Konstruktion, Konstruktionsvalidierung, Simulation und Präsentation im Rahmen der Projektarbeiten der Fachschule für Technik.
Viel zu lange „quälten" wir uns und unsere Studierenden der Fachschule Maschinenbautechnik beim Konstruieren mit Zeichenbrettern, um diese dann gegen ein damals schon veraltetes 2D-Zeichenprogramm zu tauschen. Mit Einzug der Entwicklungssoftware SolidWorks wurde allen Beteiligten schnell klar, dass CAD heute viel mehr als Technisches Zeichnen mit dem Computer ist. Und wie mächtig dieses Werkzeug ist, zeigte sich im Besonderen bei den jüngsten Projektarbeiten. Diese Investition ist sicherlich eine der wichtigsten der jüngeren Vergangenheit, um unsere Absolventen kompetent auf den beruflichen Werdegang des Konstrukteurs vorzubereiten.
Wir sind das, was man „draußen" als Konstrukteursschmiede bezeichnet. Zu uns kommt, wer das Handwerk des Konstruierens erlernen möchte. Und man ist sehr zufrieden mit unserer Ausbildung; wir genießen einen guten Ruf. Ein Großteil unserer Bewerber gibt in der Eingangsbefragung an, dass man über Bekannte und Freunde auf uns aufmerksam geworden sei. So kommen nicht wenige aus Städten zu uns, die selber über eine Fachschule verfügen. Im Rahmen der Ehemaligenbefragung interessiert uns insbesondere, welche nachhaltig positiven Eindrücke unser Bildungsgang hinterlassen hat und wo wir uns noch verbessern können. Die für uns wichtigste Frage ist dabei die nach dem weiteren beruflichen Werdegang. Mehr als 50% ihrer Rückmeldungen belegen, dass die ehemaligen Studierenden nunmehr als Konstrukteur oder in ähnlichen Bereichen eingesetzt sind.
Werden die Absolventen aufgefordert das Highlight der Ausbildung aus ihrer Perspektive zu benennen, steht hier klar die so genannte Projektarbeit im Vordergrund, die sich an die Diplomarbeit in ingenieur¬wissenschaftlichen Ausbildungen anlehnt. Für das Ausbildungsmodul Projektarbeit wird den Studierenden ein Zeitfenster von fünf Wochen (Vollzeit) bzw. elf Wochen (Teilzeit) bereitgestellt. In dieser Phase gilt die volle Aufmerksamkeit der Lösung eines komplexen technischen Problems. Der Unterricht nach Plan wird hierzu aufgehoben, gearbeitet wird in Teams von drei bis vier Studierenden. Im vergangenen Jahr wurden ausschließlich konstruktive Projektarbeiten durchgeführt.
Für diesen Schwerpunkt mag die Begeisterung der Studierenden im Umgang mit unserem neuen Konstruktionsprogramm SolidWorks einen gehörigen Beitrag geleistet haben. Dass SolidWorks dabei viel mehr ist als ein Zeichenprogramm, davon sollen die beiden im Folgenden dargestellten Projektarbeiten exemplarisch berichten. Den Anfang macht die Entwicklung und Konstruktion einer Vorrichtung für die Firma Monforts Werkzeugmaschinen GmbH in Mönchengladbach, einem Spezialhersteller von CMC-Drehmaschinen. Bei der Endmontage muss eine Baugruppe, die so genannte Motorfrässpindel (vgl. Bild 1), wegen der geforderten hohen Maßgenauigkeiten sehr zeitaufwändig eingepasst werden.
Dazu muss die Motorfrässpindel in die komplette Maschine eingebaut werden, um entsprechende Einstellarbeiten vornehmen zu können. Danach wird sie wieder ausgebaut, angepasst und neu vermessen, bis die geforderte Fertigungsgenauigkeit der Maschine erreicht ist.
Gefordert wurde eine Prüfvorrichtung, die eine Einbausituation in der Maschine simuliert, mit der die Anpassungsarbeiten außerhalb der Maschine ausgeführt werden können. Einerseits verkürzt sich dadurch die Gesamtzeit in der Endmontage, weil das stetige Ein- und Ausbauen der Baugruppe entfällt. Andererseits verkürzt sich die Durchlaufzeit zusätzlich, weil die Anpassarbeiten auf der Vorrichtung unabhängig von der übrigen Endmontage parallel laufen können. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die hohe Anforderung an die so genannte Steifigkeit der Vorrichtung dar. Steifigkeit bedeutet hier das Vermögen, sich unter einer äußeren Kraft (z.B. als Gewichtskraft) möglichst wenig zu verformen (Durchbiegen).
Dies ist für die Konstruktion dieser Vorrichtung von elementarer Bedeutung. Um auf der Messmaschine für die nachfolgenden Einstellarbeiten realistische Ergebnisse zu liefern, musste die Vorrichtung dementsprechend ein sehr hohes Maß an Steifigkeit aufbringen. Die spätere Genauigkeit der CMC-Maschine liegt bei angestrebten 5 Mikrometern (0,005mm). Die Vorrichtung muss in ihrer eigenen Verformung noch unter diesem Maß liegen. Gefordert wurden vom Auftraggeber 2 Mikrometer. Zum Vergleich: Ein Haar hat einen Querschnitt von 0,1 mm. Eine eigentlich sehr aufwändige Fragestellung ist die Ermittlung des Gewichtsschwerpunktes der Motorfrässpindeln. Dieser muss bekannt sein, um in einem weiteren Schritt die Verformung (Durchbiegung) der Prüfvorrichtung zu ermitteln.
Und mit SolidWorks? Knopfdruck genügt!
Auf Wunsch kann unter Benennung der verwendeten Materialien auch das exakte Gewicht ermittelt werden. Um eine hohe Steifigkeit der Prüfvorrichtung und damit eine geringe Verformung und hohe Maßgenauigkeit zu gewährleisten, musste die Vorrichtung bestimmten physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Teildisziplin Technischen Mechanik genügen.
Das bedeutet konkret, dass bestimmte Formen von Profilen zu einer geringeren Durchbiegung führen als andere. Hier zeigt sich, dass ein Computer und eine entsprechende Software Grundkenntnisse in den jeweiligen Disziplinen sinnvoll unterstützen und ergänzen, aber nie ersetzen kann. Wer nicht weiß, wie er durch bestimmte Bauteilformen die Eigenschaften einer Konstruktion optimieren kann, dem wird der Rechner hier auch kein besseres Ergebnis liefern können. Wenn der Studierende und spätere Konstrukteur um diese Eigenschaften weiß, ist ein Programm wie SolidWorks aber ein mächtiges Werkzeug. Und so hat auch die Gruppe die technische Herausforderung, d.h. die Realisierung einer minimalen Durchbiegung unter Anwendung erlernter Grundkenntnisse zur Technischen Mechanik mit Hilfe von SolidWorks mit Bravour gemeistert. Das Team hat mit verschiedenen Profilen zur Versteifung experimentiert und von SolidWorks durchrechnen lassen (Bild 2 u. 3: Durchbiegung).
Hier zeigt SolidWorks seine wahre Stärke.
Verschiedene Varianten zur Verbesserung der Versteifung wurden mit SolidWorks in Sekundenschnelle durchgerechnet. „Von Hand" hätte diese Optimierungsstrategie mehrere Tage in Anspruch genommen. Nach Erstellung des endgültigen SD-Modells (Bild 4) und der Spannungsberechnung war die Ableitung der Technischen Zeichnungennur noch „ein Klacks". Was passiert bei Änderungen am Modell mit den Zeichnungen im Laufe des Konstruktionsprozesses? Diese werden in Sekundenbruchteilen an die geänderten Maße angepasst. Das Zauberwort heißt hier Referenzierung. SolidWorks ist insbesondere vor diesem Hintergrund weit mehr als nur Zeichnen! Die hierausgedrückte Begeisterung über das Projektergebnis teilte der Auftraggeber.
Und wenn dieser zufrieden ist, sind wir es als Schule natürlich erst recht. Die Realisierung des Zeichnungssatzes hat die Firma für das kommende Halbjahr anvisiert.

